Vier Gründe für den Lehrerberuf. Und Ferien gehören nicht dazu.

Tobias Kammer

Eine Werbekampagne hat vor Kurzem für ziemliche Unruhe gesorgt. Was ist DAS Argument, um Lehrer zu werden? Na klar! Die Ferien! 🤬  

Eines wird schnell deutlich, wenn man über das Thema redet: Die öffentliche Meinung über den Lehrerberuf leidet unter gespaltener Persönlichkeit. Sie pendelt regelmäßig zwischen verklärter Anerkennung und banaler Abwertung.

30 pubertierende Siebtklässler in einen Raum? Hut ab, könnt‘ ich nicht.

Aber ihr habt ja eh nur Ferien

Es ist klar: Die vermeintlichen Gründe für den Lehrerberuf in der öffentlichen Wahrnehmung unterscheiden sich erheblich von der Realität. 

Für alle, die noch überlegen, ob dieser Beruf der richtige für sie ist, hier meine REALISTISCHEN Top-4-Gründe: Warum bin ich eigentlich Lehrer? Und warum Ferien definitiv nicht dazugehören sollten… 

Selbst nach 15 Jahren im Klassenzimmer bin ich immer wieder beeindruckt, wie sehr der Lernerfolg eines Schülers von uns Lehrern beeinflusst wird. Schüler lernen eben nicht nur aus Interesse am Inhalt, sondern auch für den Lehrer. 

Und Schule ist so viel mehr als nur Bücher und Tests. Es geht um echte Menschen und Lebensgeschichten, die wir mit beeinflussen.

Du machst als Lehrer einen Unterschied im Leben von jungen Menschen. Und Du selbst hast es in der Hand, ob dieser Unterschied ein ein Bleibender sein wird. 

Vor einigen Monaten hatte ich eine Diskussion mit einem Schüler, der verbotenerweise zum Kiosk gegangen ist. Er erläuterte daraufhin bildhaft, dass er zu Fuß als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling durch ein Bürgerkriegsgebiet gezogen, zu Fuß durch die Türkei gewandert, anschließend mit einem Schlepperboot übers Mittelmeer (am Handy dann auch fotografisch belegt) und über Italien nach Deutschland gekommen sei. Und jetzt dürfe er aus Versicherungsgründen noch nicht mal zum Kiosk auf die andere Straßenseite?

Recht hat er. Und es zeigt einen Kernpunkt des Lehrerberufs:

Als Lehrer sind wir direkt am Puls des Geschehens. Wir erleben Weltpolitik hautnah durch die Augen unserer Schüler.

 

Wieviel Geld bekommt man eigentlich als Lehrer?

Genug für ein gutes Leben, zu wenig, dass es einem zu Kopf steigt – so kann man das Lehrergehalt zusammenfassen. Mit ca. 3000€ Startergehalt ist das ein solider Start in die Berufswelt – nach 5 Jahren unbezahltem Studium und eineinhalb Jahren schlechtbezahlter Sklaverei im Referendariat wohlgemerkt. 

Neben dem guten Gehalt ist auch für Familie ist im System Schule strukturell viel Verständis. Schon verständlich, da die meisten hier arbeiten, weil sie Kinder mögen. Mit Eltern- und Teilzeit ist das System deutlich flexibler, als man denkt.

Komisch, oder? Bei einem Beamtenjob von Freiheit zu sprechen…

Aber genau diese pädagogische Freiheit ist eine große Errungenschaft in Deutschland.  Zwar gibt es verpflichtende Inhalte, die in der Klasse gelernt werden müssen. Das WIE verantwortet aber jeder Lehrer ganz individuell und es darf niemand reinreden: Keine Eltern, keine Kollegen oder Schulleitung und erst recht keine Ministerien. 

Hier findet jeder den Raum, seinen eigenen Weg zu finden, um die Dinge zu regeln. 

ABSOLUT UND DEFINITIV KEIN GRUND: Die Ferien

Möchtest du, dass dein Kind von jemandem unterrichtet wird, der nur Lehrer ist, um möglichst wenig zu arbeiten? Nein? Ich auch nicht. Und ich sträube mich gegen jeden, der das andeutet. (Realistisch gesehen summieren sich Phasen der Mehrarbeit (die ja bei Beamten nicht als vergütbare Überstunden gezählt werden…) eh zu einem ziemlich neutralen Nullsummenspiel mit den Ferien.)

Wir brauchen keine Ferienlehrer. 

Wir brauchen Lehrer aus Überzeugung, die für die Arbeit mit jungen Menschen brennen. Und gute Gründe gibt es dafür genug 🙂

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